Vom Experten zum Unternehmer

LinkedIn, 12.01.2020

Wie wird man zum Unternehmer und Inhaber einer Firma?

In der Regel sind wir in einer Sache ziemlich gut, streben nach Entscheidungsfreiheit und wissen, wie eine Sache gemacht werden muss, dass Menschen davon begeistert sind. Oder wir treten in familiäre Fußstapfen und stehen mehr oder weniger plötzlich an der Spitze des Familienunternehmens, oder, oder, oder.

Von der fachlichen Expertise ist dies für den Unternehmer in der Regel kein Problem.

Allerdings ist die fachliche Expertise nur ein Teil der Unternehmensleitung. Diese bringt Themen und Anforderungen mit sich, die in den meisten Fällen den Unternehmern nicht so leicht von der Hand gehen.

Inhaber von mittelständischen Unternehmen sind in den allermeisten Fällen das Herz des Unternehmens. Sie sind der Leuchtturm, der die für Orientierung, Sicherheit, Stabilität und Zukunftsfähigkeit sorgt.

Dies vereint in der Person des Unternehmers unzählige Rollen:

  • Fachexperte
  • Finanzexperte
  • Personalexperte
  • Organisationsentwicklungsexperte
  • Vertriebsexperte
  •  Marketingexperte

usw.

Und zu allem Überfluss sind viele Unternehmer noch einen großen Teil im operativen Geschäft eingebunden.

Ohne hier über das Zeitbudget und die Notwendigkeit der Konzentration zu sprechen, drängt sich ein gravierender Zustand auf, der uns in unserer Praxisarbeit täglich beschäftigt.

Kaum ein Unternehmer beherrscht und brennt für diese Vielzahl an thematischen Rollen. Dem einen liegt der Umgang mit den Unternehmenszahlen. Er hat sein Controlling im Griff, weiß jeden Leistungsindex und plant seine wirtschaftliche Entwicklung mit Akribie. Die zwischenmenschliche Arbeit fällt ihm eher schwer und die Vertriebsarbeit fällt in seiner Zeitplanung eher immer aus dem Raster.

Der andere Unternehmer liebt es draußen zu sein, mit Kunden zu reden, seine Mitarbeiter zu hören und sich mit seinem Team Gedanken über die Präsentation seines Unternehmens zu machen. Die Anrufe seines Steuerberaters und die Analyse seiner Leistungsdaten bereichern ihn weniger und werden in der Regel erst dann gemacht, wenn es wirklich sein muss.

Welcher Unternehmer ist der Bessere?

Allein die Frage ist schon der vollkommene Unsinn. Wie oft höre ich: „Du muss Deine Zahlen im Griff haben und Du musst mehr Social Media machen, darüber hinaus musst Du mehr am Kunden sein.“ usw.

Das stimmt alles und in der Tat müssen Unternehmer von allen Themen die wichtigsten Fakten kennen und im Griff haben.

Aber nur wenn ein Unternehmer weiß, warum er immer wieder über die gleichen Themen stolpert, kann er diese entsprechend organisieren und steuern.


Wir vergleichen bei unserer Arbeit zwei Felder: Die Persönlichkeits-Analyse des Unternehmers und die Schwachstellen-Analyse des Unternehmens. Und in den allermeisten Fällen, sind diese deckungsgleich.

Für die Themen und Aufgaben, für die der Unternehmer brennt, in denen seine Motivatoren und seine Kompetenzen liegen, in diesen Feldern ist das Unternehmern meist überdurchschnittlich erfolgreich. Die Schwachstellen im Unternehmen spiegeln sich mit den eher unterproportional vertretenen Präferenzen des Unternehmers.

Jetzt den Schluss daraus zu ziehen: „Dann muss der Unternehmer die Schwachstellen eben lernen und trainieren.“ ist nicht der Richtige. Dies würde ihn überproportional viel Kraft und Energie kosten und seine eigentliche Expertise im Zeit- und Prioritätenmanagement zu sehr nach hinten schieben.

Ein langfristig erfolgreiches Unternehmen braucht die gesamte Bandbreite der Unternehmensleitung.

Alle Themen und Bereiche müssen dem Unternehmer bewusst sein und für die unternehmerische Führung und Weiterentwicklung genutzt werden.

Dies gelingt immer dann besonders gut, wenn der Unternehmer sich bewusst macht, wo seine Expertise und seine Leidenschaft liegt und überprüft ob auch in seinem Unternehmen die Korrelation zu etwaigen unternehmerischen Schwachstellen existieren.

Dann ist es im nächsten Schritt ein Leichtes, alle Themenfelder so zu organisieren, dass sie funktional und strategisch zum Erfolg des Unternehmens beitragen können.

Es ist ein Dilemma, wenn Unternehmen aufgrund dieser (zu behebenden) Diskrepanz scheitern!