Stress - hat den nicht jeder?

LinkedIn, 08.12.2019

Heute ist der 08. Dezember, noch 16 Tage bis Heiligabend, noch 10 Arbeitstage und dann ist das Jahr zu Ende. Mit all den offenen To Do-Listen, den nicht fertiggestellten Projekten, mit den Versprechungen und eigenen Ansprüchen.

Das verursacht Stress und nicht nur so kurz vor Weihnachten, sondern eigentlich das ganze Jahr über. In den letzten Tagen höre ich immer öfter: "Wow, war das Jahr schnell vorbei." Selbst meine kleine Tochter (11 Jahre) war der Meinung, dass das Jahr verflogen ist und sie gar nicht so richtig weiß, wo die Zeit geblieben ist.

Ein Jahr ist immer gleich lang, aber was sich verändert ist unsere Wahrnehmung, unser Gespür für die Zeit, die Erlebnisse und die Momente.


Wir genießen immer weniger, feiern weniger unsere Erfolge und gehen in Sekundenschnelle zum nächsten Tagesordnungspunkt über.

Stress ist im eigentlichen Sinne, eine körperliche Reaktion. Eine Anpassung, die aufgrund eines außergewöhnlichen Ereignisses passiert. So gesehen eigentlich etwas Schönes. Denn wenn wir Stress haben, scheint unser Leben von außergewöhnlichen Erlebnissen voll zu sein. Das dies nur eine sehr einseitige und doch sehr optimistische Deutung ist, ist mir bewusst.

Der wesentlich Punkt ist allerdings, dass unser Körper nach vielen Anspannungen (egal ob positive oder negative) auch Entspannung benötigt, Ruhephasen, Genußzeiten ohne Adrenalin und Überreizungen. Und diese Phasen sind bei gestressten Menschen entweder zu wenig oder überhaupt nicht mehr vorhanden. Sie schaffen es nicht mehr dafür zu sorgen, dass ihr System (Körper und Seele) sich erholen kann. Und sie verlieren die Selbstreflexion und das Gespür für ihren Zustand: "Es geht doch noch." "Ich muss aber noch.." "Ausruhen kann ich, wenn ich alt bin..." Was ein für Quatsch und eine ignorante Einstellung.

Stress kann man messen und die Ergebnisse, die so ein Test hervorbringt sind erschreckend. Wenn ein erfolgreicher Unternehmer massive Leistungseinbußen hat, sich aus seinem sozialen Umfeld immer weiter zurückzieht, seine Frustrationsintoleranz immer weiter steigt und ihm die Sinnhaftigkeit des eigenen Handels abhanden kommt, muss er und sein Umfeld handeln.

Bei den von uns bisher durchgeführten Analysen ist die subjektive Lebenszufriedenheit so niedrig, dass uns als Coaches, Trainer, Berater und Begleiter oft das Herz blutet. Der gemessene Stressindex ist so hoch, dass im Auswertungstext Stellen zu lesen sind wie:"... abgestumpfte soziale Reaktionen, ... er/ sie fühlt sich leer und müde, ... zieht sich aus dem sozialen Leben immer mehr zurück."


Diesen Zustand erst gar nicht eintreten zu lassen, ist aus unserer Sicht ein wesentlicher Teil von Unternehmerverantwortung.

Unternehmer führen Menschen und haben für diese eine gewisse Verantwortung übernommen. Dies ist eine anstrengende und fordernde Aufgabe. Ein ausgelaugter und gestresster Unternehmer, der aufgrund fehlender Regeneration und Selbstfürsorge nichts mehr spürt, sich zurückzieht und keinen Sinn mehr in seinem Tun sieht, wird diese Aufgabe nicht meistern. Im Gegenteil er wird sein Umfeld mit in den destruktiven Stress ziehen. Und damit mittelfristig sich, seinem Unternehmen und seinen Mitarbeiter schaden.

Lassen wir es nicht so weit kommen, nehmen wir uns ernst und setzen uns und unseren "Zustand" auf die Prioritätenliste ganz nach oben. Und wie gesagt, Stress lässt sich messen!